Subtrochantäre Femurfrakturen: Anatomie, Klassifikation und Therapiemöglichkeiten
Subtrochantäre (ST) Femurfrakturen werden als Frakturen definiert, die innerhalb von 5 cm distal des kleineren Trochanters auftreten. Insgesamt beträgt die geschätzte Inzidenz dieser Frakturen etwa 15–20 pro 100.000 Einwohner pro Jahr. Die Altersverteilung weist ein bimodales Muster auf: Personen unter 40 Jahren machen etwa 20 % der ST-Frakturen aus, während Personen über 50 Jahre mehr als zwei Drittel ausmachen. Bei jüngeren Patienten ist das Verhältnis Männer zu Frauen nahezu ausgeglichen; mit zunehmendem Alter steigt jedoch die Inzidenz bei Frauen. Weitere Risikofaktoren für ST-Frakturen umfassen Osteoporosepatienten, die eine Bisphosphonat-Therapie erhalten, eine niedrige gesamte Knochendichte sowie chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus.
- Die operative Therapie stellt die Behandlungsmethode der Wahl für ST-Frakturen dar, wobei intramedulläre Nägel (IM) und extramedulläre Platten die primären Implantate sind.
- Unter diesen bietet die intramedulläre Nagelung biologische und biomechanische Vorteile und ist zum Goldstandard bei der Behandlung subtrochantärer Femurfrakturen geworden.
- Orthopädische Chirurgen sollten mit mehreren Reduktionstechniken vertraut sein und diese beherrschen, um bei allen spezifischen subtrochantären Frakturmustern eine anatomische Ausrichtung zu erreichen.
- Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Epidemiologie, Anatomie, Biomechanik, klinische Symptomatik, Diagnose und Therapie subtrochantärer Femurfrakturen.
Anatomie
Um ST-Frakturen korrekt zu diagnostizieren und zu behandeln, müssen Orthopäden ein umfassendes Verständnis der relevanten Anatomie besitzen. Die ST-Region umfasst die metaphysär-diaphysäre Übergangszone des proximalen Femurs innerhalb von 5 cm distal des kleineren Trochanters. Der Calcar femorale ist entscheidend für die Aufrechterhaltung der Integrität der knöchernen Struktur des proximalen Femurs und bietet mechanische Stabilität für diesen Bereich. Diese dichte knöcherne Struktur befindet sich an der posteromedialen Seite des Femurs, beginnt distal des kleineren Trochanters und verläuft bis zum posteroinferioren Aspekt des Femurhalses. Während des Stehens und Gehens kann der Calcar femorale Lasten von über 1000 N tragen. Die ST-Region wird zudem durch mehrere Muskelansätze beeinflusst. Diese Muskeln erzeugen sekundäre Kräfte, die die Belastung im Bereich des proximalen Femurs und der Hüfte erhöhen. Zu den relevanten Muskeln zählen die Hüftabduktoren, -adduktoren, kurze externe Rotatoren sowie der M. iliopsoas.
Biomechanik
Mehrere deformierende Kräfte wirken auf die proximale und distale Frakturfragment aus und führen zu charakteristischen Fehlstellungen. Am proximalen Fragment bewirken der Musculus gluteus medius und minimus eine Abduktion, der Musculus iliopsoas eine Flexion und die kurzen Außenrotatoren (Musculus piriformis, Musculus obturatorius internus, Musculus quadratus femoris sowie der Musculus gemellus superior und inferior) eine Außenrotation. Am distalen Fragment erzeugen der Musculus gracilis und die Adduktoren Adduktions- und Verkürzungskräfte (Abbildung 1). Gemeinsam führen diese Kräfte zur charakteristischen Fehlstellung bei ST-Frakturen: Das proximale Fragment ist abduziert, außenrotiert und flexiert, während das distale Fragment adduziert ist – insgesamt entsteht dadurch ein typisches Varus- und Procurvatum-Frakturmuster. Diese anatomischen deformierenden Kräfte erschweren die intraoperative Reposition von ST-Frakturen.

Abbildung 1: Verformende Kräfte (rote Pfeile) auf die proximale und distale Frakturfragment in der Koronalebene (A) und Sagittalebene (B) bei subtrochantären Frakturen. Das proximale Fragment wird durch den Musculus gluteus medius und minimus (1) abduziert, durch den Musculus iliopsoas (2) gebeugt und durch die kurzen Außenrotatoren (3) nach außen rotiert. Das distale Fragment wird durch die Adduktoren und den Musculus gracilis (4) adduziert und verkürzt.
Klassifizierung
Es existieren mehrere Klassifikationssysteme für subtrochantäre Femurfrakturen. Die Russell-Taylor-Klassifikation basiert auf dem Befall des kleineren Trochanter und darauf, ob die Fraktur in die Fossa piriformis reicht. Vor der Entwicklung von trochanterisch einsetzenden Nägeln wurde diese Klassifikation verwendet, um Frakturen, die für eine intramedulläre Nagelung geeignet waren, von solchen zu unterscheiden, die laterale Fixwinkel-Implantate erforderten. Russell-Taylor-Typ-I-Frakturen betreffen die Fossa piriformis nicht und können mittels einer intramedullären Nagelung über einen Zugang zur Fossa piriformis behandelt werden.

Quelle: Rizkalla JM, Nimmons SJB, Jones AL. Klassifikationen im Überblick: Die Russell‑Taylor-Klassifikation subtrochanter Hüftfrakturen. Clin Orthop Relat Res. 2019 Jan;477(1):257‑261. doi: 10.1097/CORR.0000000000000505. PMID: 30586343; PMCID: PMC6345285.
Die Abbildung zeigt die vier Frakturtypen gemäß der Russell‑Taylor-Klassifikation:
Typ 1‑A: Die Fraktur betrifft nicht die Fossa piriformis.
Typ 1‑B: Die Fraktur betrifft nicht die Fossa piriformis, umfasst jedoch den kleinen Trochanter.
Typ 2‑A: Die Fraktur verläuft durch die Fossa piriformis, betrifft jedoch nicht den kleinen Trochanter.
Typ 2‑B: Die Fraktur betrifft sowohl den kleinen Trochanter als auch die Fossa piriformis.
Die AO/OTA-Klassifikation hat den Vorteil der Universalität. Es ist anzumerken, dass bislang kein einziges Klassifikationssystem ideal erscheint, um die Therapie zu leiten, die Prognose vorherzusagen und eine zufriedenstellende interobserver-Übereinstimmung zu erreichen.
Zwei spezifische ST-Frakturmuster verdienen besondere Beachtung – umgekehrt oblique Frakturen und atypische Frakturen.
Umgekehrt oblique Frakturen sind intertrochanterische oder subtrochanterische Verletzungen (je nach proximaler Ausdehnung der Fraktur), bei denen die Hauptfrakturlinie von proximal-medial nach distal-lateral verläuft. Diese Frakturen neigen zur medialen Schaftdisplacement, weisen bei chirurgischer Behandlung mit einer Gleithüftschraube eine hohe Implantatversagensrate auf und sollten am besten mittels intramedullärer Nagelung versorgt werden.
Atypische Frakturmuster sind mit der Anwendung von Bisphosphonaten assoziiert. Bei atypischen Femurfrakturen ist es wichtig, die wesentlichen zugrundeliegenden Risikofaktoren zu identifizieren: Diese Frakturen weisen eine relativ hohe Rate einer beidseitigen Beteiligung auf; falls eine unvollständige Läsion der lateralen Femorcorticalis vorliegt, sollte eine prophylaktische Fixation durchgeführt werden, um eine Progression zu einer kompletten Fraktur zu vermeiden. Es wird empfohlen, Bisphosphonate abzusetzen und auf andere Wirkstoffe umzustellen. Die American Society for Bone and Mineral Research hat die häufigsten radiologischen Merkmale atypischer ST-Frakturen in Haupt- und Nebenkriterien klassifiziert. Um eine Fraktur als atypisch zu definieren, müssen vier der fünf Hauptkriterien erfüllt sein, während die Nebenkriterien einzeln vorhanden sein können oder auch fehlen dürfen. Zu den Hauptkriterien zählen: Trauma mit geringer Energiedosis, minimale Zerkleinerung (Comminution), eine transversale Fraktur, die von der lateralen Corticalis ausgeht, Verdickung der lateralen Corticalis sowie ein medialer Knochenstachel im Zusammenhang mit einer kompletten Fraktur.
Klinische Bewertung
Die klinische Präsentation von Patienten mit subtrochantären Frakturen zeigt eine bimodale Verteilung. Bei jüngeren Patienten werden subtrochantäre Frakturen typischerweise durch Hochenergietrauma verursacht, beispielsweise bei Verkehrsunfällen oder Stürzen aus großer Höhe. Dieser Verletzungsmechanismus ist häufig mit weiteren traumatischen Verletzungen assoziiert, weshalb der Patient umfassend vom Traumateam evaluiert werden sollte. Bei älteren Patienten resultieren subtrochantäre Frakturen meist aus Niederenergietrauma und treten oft als isolierte Verletzungen auf. Der Chirurg sollte eine detaillierte Anamnese erheben, wobei insbesondere Komorbiditäten und die Medikamenteneinnahme zu erfassen sind, wobei besonderes Augenmerk auf Bisphosphonat-Therapien und deren Dauer gelegt werden sollte.
Die klinische Untersuchung der betroffenen Extremität zeigt typischerweise eine Verkürzung und externe Rotation. Der Patient klagt über Hüft- und/oder Oberschenkelschmerzen, Belastungsunfähigkeit und Schmerzen bei Bewegung der Hüfte. Obwohl diese Frakturen in der Regel geschlossene Verletzungen sind, sollte dennoch eine Hautuntersuchung durchgeführt werden, da die starke Flexion des proximalen Fragments die darüberliegende Haut gefährden kann. Die klinische Untersuchung muss die Integrität der umgebenden neurovaskulären Strukturen einschließen. Eine vollständige Skelettsuche sollte durchgeführt werden, um assoziierte orthopädische Verletzungen auszuschließen. Nach Ausschluss weiterer Verletzungen der ipsilateralen unteren Extremität kann der Patient in Traktionsbehandlung gebracht werden, was zur Wiederherstellung der Frakturlänge und zur Verbesserung der präoperativen Schmerzwerte beitragen kann.
Bildgebende Diagnostik
Angemessene bildgebende Untersuchungen sind unerlässlich, um die Fraktur korrekt zu identifizieren und einzustufen und bilden die Grundlage für die präoperative Planung. Bei Patienten mit Verdacht auf ST-Frakturen sollte die initiale bildgebende Diagnostik folgende Aufnahmen umfassen: anteroposteriore (AP) Beckenaufnahme sowie AP- und seitliche Aufnahmen des Oberschenkels und des Knies. Eine kontralaterale Oberschenkelbildgebung kann zur Beurteilung der Femuranteversion hilfreich sein. Bei komminutierten Frakturen, bei denen kortikale Orientierungspunkte für eine anatomische Reposition fehlen, sind kontralaterale Aufnahmen besonders nützlich. Eine CT-Untersuchung ist nicht routinemäßig erforderlich, wird jedoch häufig im Rahmen der initialen Traumadiagnostik durchgeführt; die CT-Bilder sollten sorgfältig ausgewertet werden. Die CT ermöglicht eine umfassendere Beurteilung der Frakturmorphologie, einschließlich der proximalen Ausdehnung der Fraktur. Diese Informationen beeinflussen die präoperative Planung, die Repositionsmethoden sowie die Implantatwahl. Zu den klassischen radiologischen Befunden bei ST-Frakturen zählen: Abduktion, Außenrotation und Flexion des proximalen Fragments sowie Adduktion des distalen Fragments.
Behandlung
Eine konservative Behandlung von ST-Frakturen ist im Allgemeinen nicht möglich. Ohne chirurgische Reposition und Fixation besteht bei den Patienten ein hohes Risiko für eine Fehlstellung oder eine Pseudarthrose; wichtiger noch: Die Patienten werden nicht mehr gehfähig, was zu einer erhöhten Mortalität führt. Nur wenige Patienten kommen möglicherweise für eine konservative Therapie infrage, beispielsweise solche, die aufgrund erheblicher anästhesiebedingter Risiken keine Operation tolerieren können, oder Patienten in der Hospizpflege mit lediglich leichten Hüftbeschwerden. Da die Operation jedoch Schmerzlinderung und eine verbesserte Mobilität bietet, sollten alle an der Entscheidungsfindung beteiligten Mitglieder die konservativen Optionen sorgfältig besprechen, bevor sie zur Operation übergehen.
Die chirurgische Behandlung von ST-Frakturen lässt sich grob in zwei Hauptkategorien unterteilen: intramedulläre Nagelung (IM) und extramedulläre Plattenfixation (Abbildung 2; Tabelle 1). Davon hat sich die intramedulläre Nagelung aus mehreren Gründen als Goldstandard für die Behandlung etabliert – kürzere Krankenhausaufenthalte, geringerer Blutverlust, kürzere Gesamtdauer der Operation, sofortige Belastbarkeit und bessere funktionelle Ergebnisse. Daten zeigen, dass die überwiegende Mehrheit der ST-Frakturen mit intramedullären Nägeln behandelt wird. Intramedulläre Nägel bieten zudem biomechanische Vorteile, etwa eine höhere Steifigkeit und Festigkeit sowie einen kürzeren Hebelarm, was zu einer stabileren Konstruktion und geringerer Belastung des Implantats führt. Der Eintrittspunkt des Nagels und das Implantatdesign beeinflussen die Frakturreposition und -stabilität; daher sollten Chirurgen die modifizierbaren Faktoren kennen, die die Behandlungsergebnisse verbessern können.

Abbildung 2: Röntgenaufnahmen einer subtrochanterischen Femurfraktur rechts (mit intertrochanterischer Ausdehnung). A: Präoperative AP-Aufnahme. B: Unmittelbar postoperative AP-Aufnahme. C: Unmittelbar postoperative Seitenansicht. Diese Fraktur wurde mit einem Rekonstruktionsmarknagel über einen Eintrittspunkt in der Fossa piriformis versorgt.
Tabelle 1: Aktueller Evidenzstand zu subtrochanterischen Femurfrakturen (nur Titel, keine detaillierten Inhalte im Original angegeben).

Bezüglich des Eintrittspunkts kann der Chirurg entweder den Eintrittspunkt in der Fossa piriformis oder den trochanterischen Eintrittspunkt wählen. Bei beiden Zugängen sollte der Schnitt proximal zur Krümmung des Markkanals des Femurs und entlang dessen Achse gesetzt werden, um eine Verletzung des Nervus gluteus superior zu vermeiden. Ein weiter posterior gelegener Schnitt ermöglicht das Einführen des Führungsdrahts von dorsal nach ventral, wodurch dieser besser mit der anatomischen Krümmung des Femurs übereinstimmt. Dadurch verringert sich das Risiko einer exzentrischen Aufbohrung des proximalen Fragments in der Sagittalebene. Der Zugang über die Fossa piriformis bietet den Vorteil, dass ein gerades Nagelimplantat mit der koronalen Achse des femoralen Markkanals übereinstimmt. Diese Kollinearität reduziert das Risiko einer Varusfehlstellung sowie das Risiko einer exzentrischen Aufbohrung der medialen Kortikalis. Allerdings ist der Zugang über die Fossa piriformis bei adipösen Patienten schwieriger. Eine zu starke anteriore Platzierung erhöht das Risiko einer Perforation der anterioren Kortikalis. Der trochanterische Zugang ist oberflächlicher und kann die Weichteildissektion geringfügig reduzieren. Er verletzt jedoch die Insertion der Abduktoren. Zudem birgt der trochanterische Zugang ein höheres Risiko einer Varusfehlstellung. Außerdem führt die erhebliche anatomische Variabilität des Trochanters zwischen den Patienten zu einer hohen operativen Variabilität. Insgesamt sollte die Wahl des Zugangs individuell erfolgen unter Berücksichtigung der Patientenanatomie, der Präferenz des Operateurs, der Frakturcharakteristik sowie des Ausmaßes des Frakturmusters.
Zur Behandlung von ST-Frakturen ist der ideale intramedulläre Nagel ein antegrader zephalomedullärer Nagel. Dieser Nagel erfordert eine statische distale Verriegelung. Er bietet eine proximale Fixation innerhalb des Femurhalses und -kopfes. Zu den Optionen zählen eine große zephalomedulläre Schraube oder eine spiralförmige Klinge. Diese Implantate wirken jedoch primär durch Frakturkompression und sind daher vor allem bei intertrochanterischen Frakturen von größerem Nutzen. Alternativ können zwei kleinere Rekonstruktionsschrauben verwendet werden. Dadurch wird die Knochenentfernung im Femurhals und -kopf reduziert, während gleichzeitig eine ausreichende proximale Fixation gewährleistet bleibt. Weitere vorteilhafte Nagelmerkmale umfassen einen größeren proximalen Durchmesser sowie die Verwendung eines vollständig langen Nagels. Im Vergleich zu kurzen Nägeln verbessern vollständig lange Nägel sowohl die Rotationssicherheit als auch die axiale Stabilität. Dies erhöht die Gesamtstabilität der Konstruktion und verringert zudem das Risiko einer postoperativen periprothetischen Fraktur. Die Verwendung von zwei distalen Verriegelungsschrauben bietet eine bessere Rotationssicherheit und axiale Stabilität als eine einzelne Schraube.
Die zweite große Kategorie der chirurgischen Fixation bei ST-Frakturen ist die Verwendung von Verriegelungs- oder Festwinkel-Extramedullärplatten. Die Implantation von Festwinkel-Klingeplatten ist technisch anspruchsvoll. Dieser Faktor in Kombination mit niedrigeren Heilungsraten, längeren Operationszeiten, einer längeren Zeit bis zur Vollbelastung und höheren Infektionsraten im Vergleich zur intramedullären Nagelung hat zu einem Rückgang ihrer Anwendung geführt. Verriegelungsplatten haben eine bessere biomechanische Leistung als Festwinkel-Klingeplatten gezeigt. Studien von Collinge et al. haben jedoch ergeben, dass diese Konstruktionen bei über 40 % der Patienten zu Fixationsversagen, Fehlstellung/Fehlverheilung und tiefen Infektionen führten; bei mehr als einem Drittel dieser Patienten war eine Revisionsoperation erforderlich. Dennoch spielen Extramedullärplatten weiterhin eine Rolle – insbesondere dann, wenn eine offene Reposition erforderlich ist – wobei kleine Fragmentplatten als temporäre Fixation eingesetzt werden. Bei dieser Technik der temporären Plattenfixation konnte die Rate an Fehlverheilungen von 27 % auf 0 % gesenkt werden.
Reduktionsstrategien und -techniken
Aufgrund der verformenden Kräfte, die auf ST-Frakturen wirken, können verschiedene Techniken zur Erzielung einer anatomischen Reduktion eingesetzt werden. Zu diesen Reduktionstechniken zählen: der Einsatz von Reduktionszangen, eines Kugel-Stift-Druckers in Kombination mit einem Knochenhaken, perkutane Schanz-Nägel als Joysticks, ein Femurdistraktor, fingerartige Reduktionsinstrumente, Blockierschrauben oder -drähte sowie Cerclage-Drähte. Die präoperative Patientenlagerung sollte die Gewohnheiten und Präferenzen des Operateurs berücksichtigen, da jede Lagerung Vor- und Nachteile aufweist. Beispielsweise erleichtert die Lagerung in Seitenlage durch Adduktion des betroffenen Beins den Zugang bei adipösen Patienten, und diese Position vereinfacht zudem die Reduktion des distalen Fragments. Die Rückenlage ist den meisten Operateuren vertraut, bietet Vorteile bei Polytraumapatienten, da der Zugang zu anderen Extremitäten ermöglicht wird, und schützt eine verletzte Wirbelsäule.
Bei vielen ST-Frakturen können Reduktionszangen zur Aufrechterhaltung der Reduktion eingesetzt werden (Abbildung 3). Diese Technik führt zu guten Reduktionsergebnissen und hohen Konsolidierungsraten. Bei einfachen zweiteiligen ST-Frakturen können perkutane Schanz-Nadeln als Joysticks oder ein Kugel-Stift-Drücker in Kombination mit einem Knochenhaken verwendet werden, um die Fragmente auszurichten und eine korrekte Führungsdrahtplatzierung zu ermöglichen. Schanz-Nadeln können zudem gemeinsam mit einem femoralen Distraktor eingesetzt werden, um zunächst die Frakturlänge wiederherzustellen und die Reduktion anschließend zu fixieren, sobald eine zufriedenstellende Ausrichtung erreicht ist.

Abbildung 3: Einsatz eines Kugel-Stift-Drückers zum medialen Vorschieben des distalen Fragments, während ein Knochenhaken das proximale Fragment retrahtiert, um eine Varus-Deformität zu korrigieren (A). Nach Platzierung des Führungsdrahts halten Reduktionszangen die Reduktion in der koronaren (B) und sagittalen (C) Ebene auf. Nach Erreichen einer anatomischen Reduktion wird die subtrochantäre Fraktur mittels eines Rekonstruktions-Intramedullärnagels über einen Trochanter-Einstieg fixiert (D).
Bei zweiteiligen ST-Frakturen ist ein fingerförmiges Reduktionsinstrument sehr nützlich (Abbildung 4). Eine longitudinale Zugkraft verbessert im Allgemeinen die Länge, doch da die Abduktoren proximal und die Adduktoren distal am Knochen ansetzen, bleibt häufig eine Varusfehlstellung bestehen; das fingerförmige Instrument ermöglicht dann die Kontrolle des proximalen Fragments zur Korrektur der Varusstellung. Eine falsche Eintrittsstelle oder Trajektorie des Führungsdrahts kann zu einer exzentrischen Aufbohrung führen, was möglicherweise zu einer kortikalen Perforation oder zur Störung einer bereits erreichten Reduktion führt. Bei komplexeren Frakturmustern (mit Kompression oder distaler Ausdehnung) können Blockierschrauben oder -drähte auf der konkaven Seite der Deformität des proximalen Fragments platziert werden, um die Reduktion zu stabilisieren und die Steifigkeit der Konstruktion zu erhöhen (Abbildung 5). Obwohl Bedenken hinsichtlich einer Beeinträchtigung der femoralen Blutversorgung bestehen, haben perkutane Cerclage-Drähte sich als wirksame und sichere Methode zur Reduktion erwiesen.

Abbildung 4: Mehrere Reduktionstechniken wurden bei dieser komplexen subtrochanterischen Fraktur mit intertrochanterischer Ausdehnung angewandt. Ein fingerförmiges Reduktionsinstrument wird über einen Einstieg in der Piriformisgrube platziert, um das proximale Fragment zu kontrollieren (A). Ein Cobb-Hobel und ein posteriorer Blockierdraht werden zur Korrektur der sagittalen Deformität eingesetzt (B). Anschließend wird das fingerförmige Instrument bis zur Ebene des distalen Fragments vorgeschoben, um den Durchtritt des Führungsdrahtes zu ermöglichen (C). Nach Erreichen einer anatomischen Reduktion stabilisiert ein Rekonstruktionsmarknagel mit Einstieg in der Piriformisgrube die Reduktion (D).

Abbildung 5: Ein Blockierdraht wird auf der konkaven Seite der Deformität des proximalen Fragments, medial zum Führungsdraht, platziert und während der Aufbohrung belassen, um die Aufbohrung des proximalen Fragments zu steuern (A). Während des Einbringens des Marknagels (B) verdrängt der Blockierdraht das distale Fragment wirksam lateral (C), wodurch eine anatomische Reduktion erreicht wird, die mittels eines Rekonstruktionsmarknagels mit Einstieg in der Piriformisgrube stabilisiert wird (D).
Komplikationen
Chirurgische Komplikationen von ST-Frakturen ähneln denen anderer proximaler Femurfrakturen und umfassen Fehlverwachung, Pseudarthrose, Infektion, Implantatversagen und Tod. Die Mortalitätsraten für ST-Frakturen betragen innerhalb von 30 Tagen, 1 Jahr bzw. 4 Jahren etwa 9,5 %, 27 % bzw. 60 %.
Eine der häufigsten Komplikationen nach internem Fixationsverfahren bei ST-Frakturen ist eine Varus- oder Procurvatum-Fehlverwachung bzw. eine Pseudarthrose. Dieses Risiko hängt in erster Linie mit einer suboptimalen intraoperativen anatomischen Reposition zusammen; die konsequente Anwendung geeigneter Repositionstechniken sollte die Ausrichtung verbessern und heilungsbedingte Komplikationen reduzieren.
Eine Fehlstellung kann auch eine Rotationsdeformität umfassen, die zu Gangstörungen und Hüftschmerzen führen kann. Eine Rotationsfehlstellung ist insbesondere bei Verwendung eines Zugtisches häufig, da zur Versuch der Frakturreposition oft eine übermäßige Innenrotation angewendet wird. Dies ist besonders besorgniserregend bei schwer komminutierten Frakturen. Heilt die Fraktur im typischen ST-Fehlrepositions-Muster aus, führen eine übermäßige Varus-Stellung und Flexion des proximalen Fragments zu einer negativen Beeinträchtigung der Gangmechanik des Patienten. Symptomatische Fehlstellungen erfordern möglicherweise eine Osteotomie mit interner Fixation; eine Pseudarthrose kann effektiv durch Implantataustausch, mit oder ohne Knochentransplantat, behandelt werden. Wie bei allen Operationen stellt eine Infektion ein potenzielles Risiko dar. Oberflächliche Infektionen können oft allein mit Antibiotika behandelt werden. Tiefe Infektionen hingegen erfordern eine operative Spülung und Débridement und können den Implantatentfernung notwendig machen. Bei infizierter Pseudarthrose ist die Entfernung des Implantats und der Austausch gegen ein antibiotikahaltiges intramedulläres Implantat in Kombination mit einer langfristigen intravenösen oder oralen Antibiotikatherapie erforderlich.
Fazit
Subtrochanterische (ST) Femurfrakturen stellen eine Herausforderung dar. Die deformierenden Kräfte sind groß und komplex, was die Reposition und Fixation erschwert. Die Operation bleibt die definitive Therapie für diese Frakturen; ein Verständnis dieser Kräfte sowie der Techniken für eine korrekte Reposition ist entscheidend, um Ausrichtung, Stabilität und Patientenergebnisse zu verbessern.
Referenzen:
1. Subtrochanterische Femurfrakturen: Aktueller Überblick zur Behandlung.
2. Kurzübersicht zu Klassifikationen: Die Russell-Taylor-Klassifikation subtrochanterischer Hüftfrakturen.