Techniken zur Fixation von Schenkelhalsfrakturen: Aktuelle Forschungsfortschritte – ein narrativer Überblick
Übersicht
Die Femurhalsfraktur ist ein schwieriges Problem, das in der orthopädischen klinischen Praxis dringend bewältigt werden muss; diese Frakturart erhöht die Behinderungs- und Sterblichkeitsraten der Patienten deutlich. Bei jungen Erwachsenen entstehen Femurhalsfrakturen meist durch Hochenergie-Traumata und gehen häufig mit mehreren weiteren Verletzungen einher, wodurch sie zu einem hochriskanten Traumatyp zählen. Im Gegensatz dazu handelt es sich bei Frakturen älterer Patienten meist um Niederenergie-Verletzungen auf dem Boden einer Osteoporose; aufgrund der Begleiterkrankungen sind jedoch die Risiken für Behinderung und Tod oft noch höher. Derzeit besteht in der klinischen Behandlung von Femurhalsfrakturen ein einheitlicher Konsens: Die operative Therapie ist die Therapie der ersten Wahl. Operative Verfahren gliedern sich hauptsächlich in zwei große Kategorien: die interne Fixation und die Arthroplastik. Der Femurkopf verfügt über „drei wesentliche“ Blutversorgungsquellen: ① Mehr als 70 % der Blutversorgung stammen von den Retinaculärarterien, die sich aus den medialen und lateralen Circumflexfemoralarterien ableiten; dies ist die wichtigste Blutversorgungsquelle des Femurkopfs. ② Etwa 20 % stammen von der Nutriearterie des Femurschafts. Diese Arterie tritt in der Mittelregion des Femurs in die Markhöhle ein und erreicht lediglich den Femurhals; sie liefert nur eine geringe Menge Blut und trägt nur begrenzt zur Versorgung des Femurkopfs bei. ③ Etwa 5 % stammen von der Arterie des Ligamentum teres, die ausschließlich den Bereich um die Fovea des Femurkopfs versorgt und im Erwachsenenalter nur eine schwache Rolle bei der Blutversorgung spielt. Der Schweregrad der Gefäßverletzung korreliert eng mit dem Grad der Frakturverschiebung; eine eingeschränkte Durchblutung erhöht direkt das Risiko einer Osteonekrose des Femurkopfs (ONFH). Daher ist bei der klinischen Entscheidung zwischen interner Fixation und Arthroplastik eine umfassende Bewertung verschiedener Parameter erforderlich – darunter Frakturverschiebung, Knochensubstanzdefizite und das Alter des Patienten. All diese Faktoren können das Risiko für Komplikationen wie Fixationsversagen, Pseudarthrose oder Fehlheilung erhöhen und beeinträchtigen die Funktion der betroffenen Extremität sowie die Lebensqualität der Patienten erheblich. Die interne Fixation stellt das grundlegende operative Verfahren bei Femurhalsfrakturen dar. Über viele Jahre hinweg wurden weltweit verschiedene Techniken der internen Fixation kontinuierlich weiterentwickelt und verbessert, um eine stabile Fixation der Frakturenden zu erreichen, die Frakturheilung zu fördern und die Funktion der betroffenen Extremität bestmöglich wiederherzustellen. Dieser Übersichtsartikel fasst systematisch verschiedene Strategien der internen Fixation bei Femurhalsfrakturen zusammen und erläutert eingehend die Indikationsstellung, etablierte Verfahren sowie aktuelle Entwicklungsrichtungen im Bereich der internen Fixation.
01 Auswahlstrategien für die interne Fixation
Bevor verschiedene Verfahren der internen Fixation bei Schenkelhalsfrakturen vorgestellt werden, ist es zunächst erforderlich, die Indikationen für eine Operation mit interner Fixation zu klären. Aus der bestehenden Literatur geht hervor, dass die Operationsversagerate und die Reoperationsrate nach interner Fixation bei Schenkelhalsfrakturen zwischen 8 % und 21 % liegen, wobei erhebliche individuelle Unterschiede bestehen. Daher ist ein umfassendes Verständnis der verschiedenen Risikofaktoren, die das Ergebnis der internen Fixation beeinflussen, entscheidend für die klinische Entscheidungsfindung.
1.1 Frakturverschiebung und Klassifikationssysteme
Bei der Festlegung des Therapieplans für Schenkelhalsfrakturen ist der Grad der Frakturverschiebung der primäre Bewertungsparameter, da die Verschiebung direkt das Risiko einer Gefäßverletzung vorhersagen kann. Obwohl derzeit mehrere Frakturklassifikationssysteme zur Beurteilung der Verschiebung verfügbar sind, kann keine einzelne Klassifikation die Therapie vollständig leiten oder die Prognose zuverlässig vorhersagen. Die am weitesten verbreitete Klassifikation in der klinischen Praxis bleibt die Garden-Klassifikation. Diese Klassifikation wurde 1961 vom britischen Orthopäden Robert Symon Garden vorgeschlagen. Auf der Grundlage der Frakturverschiebung, der Frakturvollständigkeit sowie der Ausrichtungsbeziehung der Trabekel zwischen Femurkopf und -hals unterteilt sie Schenkelhalsfrakturen in vier Typen. Garden-Typ I und II sind unverschobene Frakturen: Typ I ist eine valgus-impaktierte, unvollständige Fraktur; Typ II ist eine vollständige Fraktur ohne Verschiebung. Die meisten Kliniker bevorzugen bei solchen Frakturen die interne Fixation.
1.2 Pauwels-Winkel (Fraktur-Neigungs-Winkel)
Der Pauwels-Winkel dient zur Beschreibung der vertikalen Neigung der Frakturlinie und ist ein weiterer zentraler Indikator für die Therapieentscheidung. Gemäß der Richtung der Frakturlinie unterteilt die Pauwels-Klassifikation Schenkelhalsfrakturen in drei Grade: Grad I: Pauwels-Winkel <30°; Grad II: 30° ≤ Pauwels-Winkel ≤50°; Grad III: Pauwels-Winkel >50°. In diesem Klassifikationssystem gilt: Je größer der Pauwels-Winkel (d. h. je vertikaler die Frakturlinie), desto anfälliger sind die Frakturenden gegenüber Scherkräften, desto schlechter ist die Stabilität und desto deutlich höher ist das Risiko eines Versagens der internen Fixation im Vergleich zu horizontalen Frakturmustern. Daher sollte bei Schenkelhalsfrakturen mit großem Pauwels-Winkel bereits frühzeitig eine ungünstige Prognose der internen Fixation erwartet werden.
1.3 Knochenqualität und Altersfaktoren
Allein die anfängliche posttraumatische Dislokation kann die Prognose der internen Fixation nicht vollständig bestimmen: Einige stark dislozierte Frakturen zeigen nach der internen Fixation gute Ergebnisse, während minimal dislozierte Frakturen ebenfalls einen Versagen der internen Fixation erleiden können. Die Knochenqualität ist ein weiterer entscheidender Einflussfaktor und steht in hohem Maß mit dem Patientenalter in Zusammenhang. Obwohl auch andere Faktoren wie die Qualität der Reduktion wichtig sind, stellt ein fortgeschrittenes Alter in Kombination mit schwerer Osteoporose und extrem schlechtem Knochenbestand einen unabhängigen Risikofaktor für das Versagen der internen Fixation dar.
1.4 Fraktur-Posterior-Tilt (Apex-anteriorer Winkel)
Die posteriore Neigung der Fraktur (auch als apikal-anteriore Winkelstellung bezeichnet) beeinflusst ebenfalls die Ergebnisse der internen Fixation. Die Definition der posterioren Neigung in der Literatur umfasst zwei Arten von Veränderungen: die posteriore Winkelstellung zwischen Femurkopf und Femurhals sowie die posteriore Dislokation; beide beeinträchtigen die Frakturstabilität und schädigen die Nährgefäße, die durch den Frakturbereich verlaufen. Palm et al. konnten bestätigen, dass eine posteriore Neigung ≥20° der einzige unabhängige Risikofaktor ist, der eine erneute Operation vorhersagt. Obwohl die Garden-Klassifikation einfach anzuwenden ist und seit langem verwendet wird, weist sie offensichtliche Schwächen auf: Die Übereinstimmung zwischen verschiedenen Beurteilern (Interobserver-Agreement) ist sehr gering, mit Kappa-Werten von lediglich 0,03–0,56, wodurch sie den Grad der posterioren Fraktur-Neigung nur ungenau widerspiegelt. Bei der alleinigen Verwendung von AP-Hüft-Röntgenaufnahmen zur Klassifizierung von Frakturen als Garden-Typ-I- oder Typ-II-Frakturen ohne Dislokation und zur Planung einer internen Fixation ist besondere Vorsicht geboten; falls der Winkel der posterioren Neigung signifikant ist, muss dieser intraoperativ vollständig korrigiert werden, und in einigen Fällen sollte die interne Fixation sogar zugunsten einer direkten Arthroplastik aufgegeben werden.
1.5 Zeitpunkt der Operation
Der Zeitpunkt der Operation ist ein wichtiger Faktor, der die Prognose der internen Fixation bestimmt. In der Fachwelt besteht allgemein Einigkeit darüber, dass die Operation so früh wie möglich durchgeführt werden sollte, um theoretisch das Risiko einer posttraumatischen Nekrose des Femurkopfes und einer Pseudarthrose zu senken. Eine aktuelle Metaanalyse von Papakostidis et al. zeigte, dass das Intervall zwischen Verletzung und Operation zur internen Fixation bei Femurhalsfrakturen statistisch nicht mit der Inzidenz einer Femurkopfnekrose assoziiert war; jedoch erhöhte eine Operation mehr als 24 Stunden nach der Verletzung signifikant das Risiko einer Pseudarthrose (Odds Ratio [OR] = 0.33, P < 0.01).
1.6 Reduktionsmethode: Offene Reduktion vs. geschlossene Reduktion
Vor der Operation muss die Reduktionsstrategie festgelegt werden: offene Reduktion oder geschlossene Reduktion. Im Vergleich zur geschlossenen Reduktion ermöglicht die offene Reduktion zwar leichter eine anatomische Reduktion, ist jedoch traumatischer und wird hauptsächlich bei stark dislozierten Frakturen angewendet. Neben der internen Fixation können dislozierte Femurhalsfrakturen auch mittels Arthroplastik behandelt werden; daher kommt in der klinischen internen Fixationschirurgie die geschlossene Reduktion häufiger zum Einsatz als die offene Reduktion. Jüngste Metaanalysen und randomisierte kontrollierte Studien bestätigten, dass sich offene und geschlossene Reduktion hinsichtlich der Pseudarthrose-Rate, der Nekrose des Femurkopfs oder der Gesamtkomplikationsrate nicht signifikant unterscheiden. Patterson et al. wiesen auf Grundlage einer multizentrischen Studie aus 12 Traumazentren der Stufe I in Nordamerika darauf hin, dass bei dislozierten Femurhalsfrakturen bei jüngeren und mittelalten Patienten die offene Reduktion weder die Reduktionsqualität signifikant verbessert noch das Risiko einer Reoperation erhöht; daher bedarf die offene Reduktion einer strengen Indikationsstellung und sollte vorsichtig angewendet werden.
1.7 Längenstabile Fixation und intraoperative Kompressionsfixation
Es gibt zwei zentrale Konzepte bei der internen Fixation des Schenkelhalses: die längenstabile Fixation und die intraoperative Kompressionsfixation. Der Vorteil der längenstabilen Fixation besteht darin, dass sie die postoperative Femurverkürzung verringert; bei schwerer Komminution der Fraktur nimmt jedoch die Gesamtstabilität dieser Fixationsmethode ab, und das Risiko einer Pseudarthrose sowie eines Implantatversagens steigt. Bezogene Studien haben zudem eine höhere Reoperationsrate in solchen Fällen bestätigt. Daher wird die unkritische Anwendung der längenstabilen Fixation bei schwer komminierten Schenkelhalsfrakturen nicht empfohlen.
1.8 Kontroversen bei der Implantatwahl
In der klinischen Praxis besteht nach wie vor erhebliche Kontroverse hinsichtlich der optimalen Wahl chirurgischer Implantate bei Schenkelhalsfrakturen. Relevante klinische Studien und biomechanische Tests werden weiterhin veröffentlicht, und neue Implantate sowie Fixationstechniken werden kontinuierlich aktualisiert. Der folgende Abschnitt stellt der Reihe nach die derzeit gängigen internen Fixationsimplantate sowie die zugehörigen neuesten Forschungsergebnisse vor.
02 Gängige Verfahren der internen Fixation bei Schenkelhalsfrakturen
2.1 Dynamische Hüftschraube (DHS)
Die dynamische Hüftschraube (DHS) ist eines der am häufigsten verwendeten Systeme zur internen Fixation von Schenkelhalsfrakturen. Ihr Design der ersten Generation wurde 1934 von Robert Danis abgeschlossen und weist eine lange Anwendungsgeschichte auf. Das Gerät wurde ursprünglich speziell für die stabile Fixation von Schenkelhalsfrakturen entwickelt und später kontinuierlich von Wissenschaftlern wie Ernst Pohl, Willis L. Pugh und John Charnley verbessert, wodurch sich das heutige ausgereifte moderne DHS-System entwickelte. Derzeit beschränkt sich ihr Anwendungsbereich nicht mehr allein auf Schenkelhalsfrakturen, sondern umfasst auch die Fixation verschiedener Frakturen des proximalen Femurs (Abbildung 1).

Abbildung 1. Ein 51-jähriger Mann mit einer instabilen Schenkelhalsfraktur, die mittels interner Fixation mit einer dynamischen Hüftschraube (DHS) behandelt wurde. Präoperativ zeigen die (A) anteroposteriore und (B) seitliche Röntgenaufnahmen der Hüfte eine dislozierte Schenkelhalsfraktur; bei der zweijährigen postoperativen Verlaufskontrolle zeigen die (C) anteroposteriore und (D) seitliche Röntgenaufnahmen keine Komplikationen.
Das DHS ist ein zentrales Implantat im chirurgischen Instrumentensystem für Schenkelhalsfrakturen; sein Design beruht auf zwei wesentlichen mechanischen Prinzipien: Lastverteilung und kontrollierte Impaktion. Während der Operation wird eine Lag-Schraube durch die Frakturlinie geführt und mit einer Seitenschiene kombiniert, die am Femurschaft befestigt ist, um axiale Kompression zu erzielen und die Frakturstabilität zu gewährleisten. Das DHS eignet sich insbesondere für minimal dislozierte, stabile Frakturen und weist relativ ideale Heilungsraten sowie eine gute funktionelle Wiederherstellung der betroffenen Extremität auf. Klinisch wird das DHS häufig mit der Fixation mittels mehrerer kanulierter Schrauben verglichen: Das DHS erfordert einen umfangreicheren Weichteilschnitt und ist mit einem relativ höheren Blutverlust verbunden; es bietet jedoch eine stärkere Fixationsstabilität. Deneka et al. führten eine biomechanische Kontrollstudie zur internen Fixation instabiler basicervikaler Schenkelhalsfrakturen durch und bestätigten, dass die Fixationsstärke des DHS der Fixation mittels mehrerer kanulierter Schrauben überlegen ist. Aktuelle klinische Daten einer systematischen Übersichtsarbeit und Meta-Analyse von Lim et al. zeigten, dass bei hochwinkligen Pauwels-Typ-II- und -Typ-III-Schenkelhalsfrakturen die Pseudarthrose-Rate nach DHS-Fixation niedriger war als nach Fixation mittels mehrerer kanulierter Schrauben (OR = 0,32; 95%-Konfidenzintervall 0,11–0,96; P = 0,04), was den therapeutischen Vorteil des DHS bei solchen Frakturen unterstreicht. Es bestehen regionale Unterschiede in der Präferenz für das Verfahren unter Ärzten. Mittels einer Querschnittsumfrage in Kombination mit Regressionsanalyse fanden Bhandari et al. heraus, dass europäische Chirurgen deutlich häufiger als nordamerikanische Chirurgen das DHS gegenüber der Fixation mittels mehrerer kanulierter Schrauben bevorzugen. Sowohl biomechanische als auch klinische Studien bestätigen, dass die Fixationsstärke des DHS mindestens ebenso gut ist wie die der Fixation mittels mehrerer kanulierter Schrauben – oder sogar überlegen –, wobei sich besonders ausgeprägte Vorteile bei stark vertikalen Frakturen (Pauwels-Typ II und III) sowie instabilen Frakturen (Garden-Typ III und IV) zeigen.
2.2 Mehrere Hohlraumschrauben (MCS)
Die Fixation mit Hohlraumschrauben ist eine minimal-invasive Alternative zur DHS und besonders geeignet für junge und mittelalte Patienten mit Oberschenkelhalsfrakturen, die eine gute Knochenqualität aufweisen und bei denen die Fraktur nur geringfügig verschoben ist. Bei diesem Verfahren erfolgt unter Durchleuchtung oder intraoperativer Bildgebung die perkutane Platzierung mehrerer Schrauben quer über die Frakturenden. Hohlraumschrauben können die Blutversorgung des Femurkopfes schonen, das operationsbedingte Trauma verringern und die Erholungsphase verkürzen (Abbildung 2).

Abbildung 2. Ein 79-jähriger Mann mit einer Oberschenkelhalsfraktur, die mittels interner Fixation mit mehreren Hohlraumschrauben (MCS) behandelt wurde. Präoperative Aufnahmen vor der Operation: (A) AP- und (B) Seitenansicht; unmittelbar postoperativ: (C) AP- und (D) Seitenansicht; abschließende Nachuntersuchung fünf Jahre nach der Operation: (E) AP- und (F) Seitenansicht.
Nachdem Garden, Barnes und Kollegen entsprechende Studien veröffentlicht hatten, verbreitete sich die Methode mit mehreren kanülierten Schrauben in den 1960er–1970er-Jahren breit; bis Mitte der 1980er-Jahre wurde die parallele Schraubenplatzierung allmählich zur Standardmethode, da diese Anordnung eine moderate Impaktion an der Frakturstelle ermöglicht. Biomechanische Tests von Selvan et al. bestätigten, dass die dreieckige Schraubenanordnung eine höhere Versagensresistenz aufweist als andere Anordnungen. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts fanden sowohl die parallele als auch die dreieckige Schraubenkonfiguration weltweit breite Akzeptanz. Eine aktuelle Metaanalyse von Lim zeigte, dass bei der Fixation von Schenkelhalsfrakturen mittels mehrerer kanülierter Schrauben die parallele Schraubenanordnung weder mit einer Pseudarthrose noch mit einer postoperativen avaskulären Nekrose des Femurkopfes (ONFH) korrelierte. Mehrere Studien nutzten computergestütztes Design (CAD), um optimale Schraubenbahnen zu untersuchen. Im Jahr 2011 schlug Filipov die biplanare Doppelstützschrauben-Technik vor, um zusätzliche kortikale Stabilisierung zu erreichen. Klinisch wird routinemäßig eine invertierte dreieckige Dreischraubenkonfiguration angewandt: Die erste Schraube liegt nahe dem Calcar, die zweite nahe der hinteren Kortikalis und die dritte nahe der vorderen Kortikalis. Im Vergleich zum DHS (Dynamic Hip Screw) sind kanülierte Schrauben weniger traumatisch und verursachen geringere intraoperative Blutverluste; in einigen Fällen lässt sich der Eingriff vollständig perkutan ohne Hautschnitt durchführen, was die Weichteildissektion reduziert, den Krankenhausaufenthalt verkürzt und die Behandlungskosten senkt. Bei dislozierten Schenkelhalsfrakturen erfordert dieses Verfahren jedoch eine strenge Patientenauswahl sowie besondere Aufmerksamkeit auf die Qualität der Reposition. Kim et al. führten eine Studie an Patienten mit Schenkelhalsfrakturen unter 60 Jahren durch: Alle 52 Fälle wurden mittels mehrerer kanülierter Schrauben fixiert und wiesen sämtlich instabile Garden-Typ-III- oder -IV-Frakturen auf; die Inzidenz postoperativer Komplikationen wie Femurkopfnekrose und Pseudarthrose betrug dabei 51,5 %; bei Patienten mit Komplikationen war die posteriore Frakturkippung in der seitlichen Röntgenaufnahme signifikant stärker (16,9° vs. 10,3°, P = 0,026).
2.3 Femoral-Nacken-System (FNS)
Das Femoral-Nacken-System (FNS) ist ein in jüngster Zeit neu entwickeltes Implantat, das die beiden mechanischen Vorteile Kompression und Antirotation vereint. Das FNS nutzt eine Schraube-Platte-Kombinationsstruktur zur Erzielung einer hochfesten Fixation; die Kombination aus Klinge und Antirotationschraube verbessert gleichzeitig die axiale Stabilität und die Antirotationsfähigkeit. Im Vergleich zum DHS erfordert das FNS weniger Weichteilpräparation und birgt ein geringeres Risiko für intraoperative Blutungen; es handelt sich um ein minimal-invasives Fixationssystem, das die Vorteile sowohl des DHS als auch mehrerer kanulierter Schrauben vereint. Mehrere biomechanische Studien bestätigten, dass die axiale und rotatorische Stabilität des FNS mit der des konventionellen DHS vergleichbar und der mehrerer kanulierter Schrauben überlegen ist. Stoffel et al. zeigten, dass bei instabilen intrakapsulären Femurkopfbrüchen (insbesondere Pauwels-Typ-III) die biomechanische Stabilität des FNS dem DHS entspricht und deutlich überlegen ist gegenüber MCS; Moon et al. bestätigten in einer In-vitro-Studie zu dislozierten basicervikalen Femurkopfbrüchen, dass selbst bei extrakapsulären Frakturen die Fixationsleistung des FNS der des DHS nicht unterlegen ist. Auch klinische Studien stützen die Vorteile des FNS bei der Behandlung erwachsener Femurkopfbrüche. Patel et al. schlossen in einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse acht Studien ein: Im Vergleich zu herkömmlichen mehreren kanulierten Schrauben war das FNS mit niedrigeren postoperativen Komplikationsraten und geringerer Verkürzung des Femurhalses assoziiert sowie mit besseren Heilungsraten der Fraktur und höheren funktionellen Scores der betroffenen Extremität (alle P < 0,001). Obwohl vorhandene In-vitro-Tests und kurzfristige klinische Follow-up-Ergebnisse günstig sind, befindet sich das FNS erst relativ kurze Zeit auf dem Markt und weist noch keine Langzeit-Follow-up-Daten auf; zudem ist die Gerätekosten relativ hoch und die Kosten-Nutzen-Relation unzureichend. Weitere Studien sind erforderlich, um potenzielle Komplikationen während der Implantatentfernung zu bewerten. Yoon et al. analysierten 43 FNS-Operationen, wobei bei fünf Patienten eine Implantatentfernung erfolgte; bei drei davon trat ein Ausreißen der distalen Verriegelungsschraube auf – eine Inzidenz von 60 %.

Abbildung 3. Eine 60-jährige Frau mit einer stabilen Femurhalsfraktur, die mittels internen Fixationsverfahren mit dem Femoral Neck System (FNS) behandelt wurde. Die präoperativen AP- und seitlichen Hüft-Röntgenaufnahmen sind in (A) bzw. (B) dargestellt; bei der einjährigen postoperativen Verlaufskontrolle zeigen die AP- und seitlichen Röntgenaufnahmen in (C) bzw. (D) keine Komplikationen.
2.4 Erweiterte Optionen: Modifizierte Verfahren der internen Fixation und ergänzende Fixationstechniken
Intertrochanterische Valgus-Osteotomie in Kombination mit interner Fixation
Dieses Verfahren ist eine modifizierte Behandlung für instabile Schenkelhalsfrakturen, nämlich eine einstufige intertrochanterische Valgus-Osteotomie in Kombination mit einer internen Frakturfixation; es wird hauptsächlich bei instabilen Garden-Typ-III- und -IV-Frakturen mit vertikal orientierten Frakturlinien angewendet. Während derselben Operation wie der Implantatinsertion wird eine intertrochanterische Valgus-Osteotomie durchgeführt, um die Richtung der mechanischen Kräfte über die vertikale Frakturoberfläche zu verändern und dadurch das Risiko von Komplikationen zu verringern, die bei dieser Frakturart häufig auftreten.
Anteromediale Stützplattenfixierung
Eine weitere Art der zusätzlichen Fixationstechnik ist die anteromediale Stützplatte, bei der üblicherweise eine Rekonstruktionsplatte zur medialen Stabilisierung des Femurhalses eingesetzt wird. Zusätzlich zur konventionellen lateralen Fixation bietet dieses Verfahren eine Plattenstabilisierung am Kalcar, wodurch die Gesamtstabilität erheblich verbessert wird; sie kommt vorwiegend bei jüngeren Patienten mit ausreichendem Knochenbestand zum Einsatz. Obwohl diesbezügliche biomechanische und klinische Studien vorliegen, wird diese Strategie klinisch nicht weit verbreitet angewandt.
Fazit
Bei der Behandlung von Schenkelhalsfrakturen stellt die interne Fixation eine zentrale Therapiemethode dar; klinische Entscheidungen erfordern eine sorgfältige Beurteilung und bilden die Grundlage der gesamten Behandlungsstrategie für Schenkelhalsfrakturen. Zu den derzeit gängigen Verfahren der internen Fixation zählen mehrere kanülierte Schrauben (MCS), die dynamische Hüftschraube (DHS) sowie das Femoral Neck System (FNS). Aufgrund bestehender biomechanischer Tests und klinischer Forschungsergebnisse gilt: Bei der internen Fixation instabiler Schenkelhalsfrakturen ist bei Einsatz mehrerer kanülierter Schrauben besondere Vorsicht geboten, da deren Fixationsstabilität geringfügig unter der der dynamischen Hüftschraube und des Femoral Neck Systems liegt. Als neueste Generation eines Fixationsgeräts weist das Femoral Neck System eine Fixationsstabilität auf, die der der dynamischen Hüftschraube vergleichbar ist, und bietet zugleich die minimal-invasiven Vorteile mehrerer kanülierter Schrauben; es ist jedoch objektiv anzuerkennen, dass Langzeit-Follow-up-Daten zu diesem Gerät bisher noch fehlen.
Referenzen:
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2. Pearce JCH, Mitchell CJ. Hüftfrakturen bei jüngeren Erwachsenen. Surgery. 2023;41:200–206.
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